Bericht über die Mitgliederversammlung 2018

Wohnungspolitik in Freiburg muss zur Chefsache werden

Langjähriger Geschäftsführer Manfred Harner verabschiedet

Zum 3. Mal fand die Mitgliederversammlung von Haus & Grund Freiburg im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses am Münsterplatz statt.
DieVersammlung war erfreulicherweise sehr gut besucht. Ausschlaggebend hierfür war sicherlich auch der Vortrag zu den aktuellen Herausforderungen in der Immobilieninanzierung. Die Referentin, Frau Susanne Schuckelt, ging sehr intensiv auf die Entwicklung der vergangenen Jahre ein und gab den Mitgliedern sehr hilfreiche praktische Tipps.

Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachten die Mitglieder dem am 22.07.2017 verstorbenen Ehrenmitglied Hermann Aichele, der völlig überraschend
und viel zu früh von uns gegangen ist. Er war jahrzehntelang im Vorstand von Haus & Grund Freiburg und Stellvertretender Vorsitzender. Haus &
Grund Freiburg hat mit ihm eine starke Stimme verloren und ihm viel zu verdanken.

Der Vorstandsvorsitzende Manfred Harner dankte den zahlreich erschienenen Mitgliedern für ihr Kommen und ging in seiner Eröfnungsrede
zunächst auf die Oberbürgermeisterwahl ein. Der Wahlausgang war – so Harner – sicher eine kleine Sensation. Er gratulierte dem Wahlsieger, Martin Horn, im Namen von Haus & Grund Freiburg sehr herzlich zu seiner Wahl und wünschte ihm viel Erfolg bei den anstehenden großen Aufgaben. Harner wies jedoch gleichzeitig darauf hin, dass in Freiburg eine andere Wohnungspolitik benötigt werde, als sie in den letzten 8 Jahren praktiziert wurde. Man wolle in Freiburg – sowie die Badische Zeitung kürzlich titelte – keine Münchener Verhältnisse haben. Astronomische Mieten und Immobilienpreise könne in Freiburg niemand wirklich wollen. Der Vorstandsvorsitzende wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren auf die ungute Entwicklung faktisch nur durch eine Zwangsregulierung des Wohnungsmarktes reagiert habe.

Ob Mietpreisbremse, KappungsgrenzenVO, KündigungssperrfristVO oder ZweckentfremdungsVO. Alle diese Zwangsregulierungen haben an
der prekären Situation in Freiburg nichts geändert. Harner plädierte deshalb dafür, diese untauglichen Zwangsregulierungsmaßnahmen wieder abzuschaffen. Außerdem mahnte er an, dass die Wohnungspolitik – anders als in den vergangenen 16 Jahren – zur Chefsache erklärt werden müsse. Er forderte daher den neuen Oberbürgermeister Martin Horn dazu auf, die Wohnungspolitik und die Wohnraumversorgung zur Chefsache zu erklären. Gleichzeitig bot Harner eine konstruktive sachliche Zusammenarbeit seitens Haus & Grund Freiburg an.

Des Weiteren ging Harner auf die vergangene Bundestagswahl ein und stellte fest, dass der Koalitionsvertrag für die Hauseigentümer Licht und
Schatten beinhalte. Er wies darauf hin, dass die rückwirkende Einführung eines Baukindergeldes sicherlich ein erster richtiger Schritt sei.
Gleichzeitig mahnte er an, dass auch kinderlose Paare ein förderwürdiges Interesse am Wohneigentum als Altersvorsorge hätten. Harner forderte
daher die Wiedereinführung des alten § 7b des Einkommensteuergesetzes. Weiterhin braucht es zur Ankurbelung des Mietwohnungsbaus steuerliche Anreize. Zum Beispiel eine Sonderabschreibung, die nicht unter 5% pro Jahr für die Dauer von 5 Jahren liegen sollte.

Der Vorstandsvorsitzende kritisierte ebenso die hohen Erwerbsnebenkosten. Die Grunderwerbsteuer sei von ursprünglich 2% auf jetzt 5% gestiegen. Harner wies darauf hin, dass für den Staat 3% Grunderwerbsteuer völlig ausreichend seien. Weiter forderte er, dass Wohnungsmodernisierungen erleichtert werden müssen. Dies durch eine Abschaf ung der hohen formalen Hürden.
Auch die Mietpreisbremse gehört abgeschafft, da sie sich als völlig untauglich erwiesen habe. Harner forderte einen freien Mietwohnungsmarkt, in
dem sich Vermieter und Mieter wieder als gleichberechtigte Partner gegenüberstehen.

Schließlich mahnte er an, dass die Reform der Grundsteuer nicht zu einer Steuererhöhung durch die Hintertür führen dürfe.

Nach der Eröffnungsrede des Vorstandsvorsitzenden ergriff das Vorstandsmitglied Andreas Barton das Wort.
Dies, um Manfred Harner nach über 32 Jahren Tätigkeit als Geschäftsführer von Haus & Grund Freiburg aus seinem Amt als Geschäftsführer zu verabschieden. Barton zeichnete noch einmal den Werdegang von Manfred Harner, der eng mit der Entwicklung von Haus & Grund Freiburg verbunden ist, nach. Mit seiner humorvollen Rede brachte er nicht nur den Geehrten, sondern auch die Mitglieder im Saal häuifg zum Schmunzeln.

Es wurde klar, dass die Verhältnisse bei Haus & Grund Freiburg vor über 32 Jahren eher bescheiden waren. Harner hatte es jedoch
geschafft, in seiner Amtszeit aus Haus & Grund Freiburg einen starken und breit aufgestellten Dienstleistungsverband zu formen. Mit seinem Fachwissen hat er sich weit über die Verbandsgrenzen hinaus eine hohe Anerkennung erworben. Barton überreichte als äußerstes Zeichen des Dankes einen gut gefüllten Geschenkkorb sowie einen Blumenstrauß. Die anwesenden Mitglieder dankten Harner für sein außergewöhnliches Engagement mit lang anhaltendem Beifall.

In seinem Geschäftsbericht beleuchtete dann der neue Geschäftsführer Stephan Konrad, das Geschäftsjahr 2017. Im August 2017 konnten die restlichen Renovierungsarbeiten am Verbandshaus abgeschlossen werden. Des Weiteren wurden die Räumlichkeiten der Immobilien GmbH im Dachgeschoss vollständig renoviert und mit neuen Büromöbeln ausgestattet. Damit ist die umfassende Renovierung des Verbandshauses abgeschlossen. Die Mitgliederentwicklung war im Berichtsjahr sehr erfreulich.

Konrad wies darauf hin, dass die Mitgliederzahl im Jahr 2017 trotz vieler Todesfälle um rund 60 Mitglieder gesteigert werden konnte. Sehr gut wird
auch die Schnuppermitgliedschaft angenommen, die die Hürde zum Vereinsbeitritt senken soll. Inzwischen beträgt der Anteil der Schnuppermitglieder
an den 320 Neumitgliedern rund die Hälfte. Erfreulicherweise machen jedoch nur wenige Schnuppermitglieder von ihrem Sonderkündigungsrecht
Gebrauch. Auch die Beratungsangebote von Haus & Grund Freiburg wurden im Jahr 2017 wieder stark nachgefragt.

Dies gilt insbesondere für das Flaggschiff des Verbandes, die Rechtsberatung. Von den rund 4.000 Beratungen im Jahr 2017 entfielen allein 3.685 Beratungen auf die Rechtsberatung. Diese Anzahl ist – verglichen mit dem Vorjahr – nahezu gleich geblieben. Konrad erläuterte außerdem, dass im Jahr 2017 eine neue Homepage konzeptioniert wurde. Dieser Schritt war erforderlich, da die bisherige Homepage in die Jahre gekommen war. Außerdem war sie für die Nutzung mit Smartphones und Tabletts technisch ungeeignet. Da zudem die digitalen Angebote erheblich an Bedeutung gewonnen haben, wurde eine völlig neue Homepage programmiert, die wesentlich übersichtlicher gestaltet ist. Die neue Homepage ist inzwischen online. Die Rückmeldungen der Mitglieder hierzu sind sehr positiv.

In seinem Bilanzbericht ging der Vorstandsvorsitzende auf die Geschäftszahlen des Jahres 2017 ein. Er konnte trotz eines leichten Fehlbetrages ein
rund um positives Fazit ziehen. Der Fehlbetrag erklärte sich jedoch daraus, dass nochmals Investitionen in die Sanierung des Verbandshauses erforderlich waren. Zudem ergab sich durch den Geschäftsführerwechsel für einige Monate eine Doppelbelastung bei der Gehaltszahlung.

Kassenprüfer Günther Frei hatte es -wie in den Vorjahren- übernommen, die Kasse zusammen mit Herrn Kunz zu prüfen. Er stellte fest, dass eine
geordnete Buchhaltung vorliegt. Es gab keinerlei Beanstandungen. Der Vorstand wurde deshalb von den anwesenden Mitgliedern einstimmig entlastet.

Bei den anschließend durchgeführten, turnusmäßig anstehenden Wahlen für die Ämter der Kassenprüfer und Ersatzkassenprüfer wurden von der Mitgliederversammlung einstimmig Herr Günther Frei und Frau Monika Strub gewählt. Als Ersatzkassenprüferin wurde Frau Alexandra Schick gewählt. Die Amtszeit beträgt satzungsgemäß 3 Jahre.

Mitglieder2018
Manfred Harner 2018
Vorstand 2018
Verabschiedung_Manfred-Harner18
Günther Frei_Monika Strub
Susanne Schuckelt 2018

Der zweite Teil der Mitgliederversammlung stand ganz im Zeichen des Vortrages von Bankfachwirtin Susanne Schuckelt, die intensiv auf die aktuellen Herausforderungen in der Immobilieninanzierung einging. Sie verdeutlichte sehr anschaulich, weshalb überhaupt die Wohnimmobilienkreditrichtlinie erlassen wurde und welche Folgen sich daraus für den Verbraucher ergaben. Primär dienen die neuen Regelungen dem Verbraucherschutz. Sie sollen verhindern, dass sich Immobilienkäufer oder Bauherren mit ihrem Kredit übernehmen.

Gleichzeitig wurde es aber für ältere Menschen oder für Familien schwieriger, überhaupt noch einen Immobilienkredit zu erhalten. Schuckelt wies darauf hin, dass die Banken aufgrund der neuen Richtlinie noch sorgfältiger klären müssen, ob ein Darlehensnehmer in der Lage sein wird, den Kredit zurückzuzahlen. Letztlich muss die Rückzahlung des Darlehens über die gesamte Laufzeit wahrscheinlich sein.

Zwar gab es schon immer eine Bonitätsklärung. Durch die neue Richtlinie wurde aber der Umfang der Prüfung wesentlich ausgeweitet.
Schuckelt wies aber auch darauf hin, dass die Kritik an der ursprünglich sehr strengen Wohnimmobilienkreditrichtlinie 2017 dazu geführt habe, dass
einige Lockerungen eingeführt wurden. U.a. ist seither bei der Anschlussinanzierung nach Ablauf der Zinsbindung keine Bonitätsprüfung mehr nötig.
Schuckelt riet dringend dazu, die Angebote der Banken zu vergleichen und nicht das erst beste Finanzierungsangebot anzunehmen. Auch wenn eine Bank einen Immobilienkredit ablehnt, muss dies nicht zwangsläuig bedeuten, dass dies andere Banken auch tun.

Anhand von Praxisbeispielen belegte Schuckelt sehr eindrücklich, wie unterschiedlich die Banken die Kreditwürdigkeit beurteilen. Die anschließenden Fragen verschiedener Mitglieder und Diskussionen zeigten, dass der Vortrag von Frau Schuckelt bei den Mitgliedern auf ein sehr großes Interesse gestoßen ist.

Nach dem oiziellen Ende der Versammlung lud der Geschäftsführer Stephan Konrad die Mitglieder zum Empfang ein. Hier bestand in gemütlicher Atmosphäre die Gelegenheit zum Gespräch und zum Austausch. Diese Möglichkeit wurde von zahlreichen Mitgliedern sehr rege genutzt. Bei einem Glas Wein und Laugengebäck ergaben sich – auch mit der Referentin - noch sehr intensive Gespräche.

Stephan Konrad
Geschäftsführer

Stepan Konrad 2018